Authors: CARSTEN HENTRICH, MICHAEL PACHMAJER (PricewaterhouseCoopers)

Ideen und Innovationen können nicht verordnet werden. Der Wandel in der digitalen Welt beginnt am Arbeitsplatz. Wer innovativ sein will, für den heißt es: Büro-Zelle, adieu!

Wo arbeiten wir? Das ist eine entscheidende Frage. Die Mitarbeiter sollen kreativ sein, sie sollen innovativ sein, und zwar genau zwischen 9 und 17 Uhr. Schön und gut, die Zusammenarbeit wird jedoch häufig noch in der analogen Büro-Tradition des 20. Jahrhunderts organisiert: Es gibt Abteilungen, streng getrennt versteht sich, Kontakt hat nur, wer zur Abteilung gehört. Wissen wird nicht ausgetauscht, sonstiger Kontakt auf das Mindeste reduziert – und Kollaboration ist in jeder Hinsicht ein Fremdwort. Der Chef selbst verschanzt sich in seinem durch harte Aufstiegsarbeit errungenen Eck-Büro. Türe natürlich zu. Ab und zu kommt er raus, geht durch die Reihen und fragt: „Na, läuft’s?“.

Ansonsten ist er nicht zu sehen, sitzt in Meetings oder ist „unterwegs“. Ein persönliches Gespräch ist schwierig, Anrufe auch, E-Mails gehen nur über die Sekretärin. Die Stimmung im Team ist so lala. Austausch findet nur in der schmalen Teeküche statt. Dort stapelt sich das Geschirr. Das einzige Thema: unser Chef!

Zurück am Schreibtisch sieht es aus, wie es meist aussieht am Büro-Schreibtisch: Rechts ein Foto der Familie, links eine Zimmerpflanze. An Stellwänden kleben Postkarten, der Speiseplan der Kantine („Vegetarische Woche“) und eine Telefonliste. Und dann heißt es: So, jetzt seid mal schön innovativ!

Die Frage ist: Geht so Innovation? Mit Mitarbeitern, die sich kaum sehen, höchstens auf dem Gang mit einem „Mahlzeit!“ Kontakt aufnehmen. Die in Büro-Zellen hocken und Routine-Jobs machen. Wo bleiben Geist, Anregung, Austausch? Das kann nicht den Anforderungen an einen modernen Arbeitsplatz entsprechen. Es gilt, eine neue Arbeitsumgebung zu schaffen:

Das d.quark Digital Workplace steht für die Fähigkeit, einen Arbeitsplatz zu implementieren, der sowohl technologisch als auch innenarchitektonisch Energien und Wissen freisetzt. In Unternehmen sollten Orte, Räume, Zonen geschaffen werden, in denen Ideen in einem geschützten Rahmen entwickelt und ausprobiert werden – in denen auch quergedacht, rumgesponnen und immer wieder neu angesetzt werden kann. Ideen entstehen nicht im sterilen Konferenzraum „Stockholm“, der nach Gesichtspunkten der Funktionalität, aber eben nicht im Hinblick auf Kreativität konzipiert wurde. Innovationstechniken wie Design Thinking, die auf Ausprobieren und dem sogenannten Prototyping basieren, lassen sich so nicht umsetzen.

Mit anderen Worten: Die Arbeitsplatzgestaltung ermöglicht, fördert, unterstützt neue wesentliche Kulturelemente in der digitalen Welt. Sie alleine ist kein Selbstzweck. Es ist das sichtbare Zeichen der Auflösung der Silomentalität, dem Einführen hierarchiefreier Formen der Zusammenarbeit und des Wissensaustausches, der Teilhabe der Mitarbeiter an Entscheidungsprozessen.

Wie bringt man sein Team zusammen, wie organisiert man Wissensaustausch? Die Prinzipien der Arbeitsplatzgestaltung müssen heute stark an die digitale Unternehmenskultur angelehnt sein. Workplace follows Culture. Und da haben wir den Ansatzpunkt: In Zeiten des digitalen Wandels rückt das Produkt etwas in den Hintergrund, die digitalen Services werden wichtiger – und vor allem geht es heute um die Bedürfnisse der Kunden.

Was braucht der Kunde? Was sind seine individuellen Wünsche? Diese Maßgabe lässt sich auf die Arbeitsumgebung und die Bedürfnisse der Mitarbeiter übertragen. Der Arbeitsplatz sollte nach deren Bedürfnissen gestaltet werden. Die Basis ist Vertrauen. Im Hinblick auf Arbeitszeit und Arbeitsort. Und auch im Hinblick auf das Equipment. Wenn Mitarbeiter etwas testen wollen, brauchen sie schnellen Zugang zu technischem Equipment, zu spezieller Software, zu Tools.

Das Digital Workplace-Design ist eine Fähigkeit, motivierende Arbeitsumgebungen zu entwickeln, sowohl im Unternehmen als auch für mobile und für Home-Office-Arbeitsplätze. Arbeit wird orts- und zeitunabhängig. Da geht es auch um neue Fragen: Wie muss ein IT-System gestaltet sein, um Zugang für alle zu schaffen? Welche IT-Sicherheitssysteme werden benötigt, um Arbeitsprozesse abzusichern? Doch die erste Frage muss sein: Welcher Strategie folgen wir? Nach welchen Kulturelementen wollen wir leben und arbeiten? Wollen wir ein agiles, kreatives, innovatives Unternehmen sein? Wenn ja, welche Bedürfnisse ergeben sich im Hinblick auf Kommunikation, Wissensmanagement und Ideenentwicklung? Wenn mehr Kundenorientierung das Ziel ist, müssen beispielsweise Tools geschaffen werden, um Kunden die Co-Creation und Collaboration zu ermöglichen.

Typisch für die Arbeit im digitalen Umfeld ist Offenheit. Ideen werden geteilt, Inhalte ausgetauscht. Netzwerke stehen für Öffnung, für Teilhabe, für Kommunikation. Und gemeinsam probiert man aus, ohne es zu zerreden. Um etwas zu verstehen, muss man es ausprobieren. Das ist eine Binsenweisheit.

Ein Wort ist in der Vergangenheit selten mit der Arbeit in Zusammenhang gebracht worden: wohlfühlen. Arbeit war Arbeit! Basta!

Doch je mehr Routinejobs wegfallen, je wichtiger Kreativ- und Wissen-Jobs werden, desto mehr rückt eben dieses Wort in den Vordergrund: wohlfühlen. Wer sich wohlfühlt, wer in einem kreativen Umfeld, in einem den Geist stimulierenden Umfeld tätig sein kann, wird produktiver. Und das gelingt am besten in Umgebungen, die kein festes Ziel haben. Kreative Arbeit ist eben keine Fließbandarbeit.

Es braucht Zonen der Kommunikation, Sitzecken, Farben und ein bewegliches, nicht ein starres Mobiliar. Auch das Kaffeeküchen-Konzept ist ausbaufähig. Das Ziel der Kaffeeküche ist die Herstellung von Kaffee. Aber sie ist vor allem ein Ort der Kommunikation. Man erfährt, was der andere macht und an was er grübelt. Man tauscht sich aus. Und manchmal ist es nur eine Meinung, eine Einschätzung, die eine entscheidende Tür im Kopf öffnet. Macht also die Kaffeeküchen größer, macht sie bequemer, macht sie loungiger, macht sie so, dass Menschen länger da bleiben und tun, was sie dringend tun müssen: interagieren.

Deshalb: Unternehmen benötigen so etwas wie Laboratorien, Labs, in denen geschützt gearbeitet werden kann. Workplace-Design ist eine Fähigkeit, die ein Unternehmen kultivieren sollte. Wie ein IT-System auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter abgestimmt sein sollte, muss auch die Arbeitsumgebung darauf abgestimmt sein. Für neue digitale Geschäftsmodelle wird eine digitale Arbeitsumgebung benötigt – offen und gleichzeitig geschützt. Arbeit findet heute zu Hause, am Flughafen, im Zug, im Café statt.

 

Source: https://enorm-magazin.de/digital-workingspace