Thomas Sindemann

Zukunft des Medizintechnik-Clusters Tuttlingen: Alles eine Frage der Digitalisierung

Wie holen etablierte deutsche Unternehmen den Rückstand der Digitalisierung auf? Die Antwort liegt auf der Hand: Durch Innovation. Viele Konzerne haben mittlerweile in sogenannte Innovationslabore investiert. Sie verfolgen das Ziel, neue Digitallösungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln, um dadurch in etablierten Märkten weiterhin erfolgreich zu agieren und neue Märkte zu erschließen. Aber wie kann digitale Innovation in einem etablierten Unternehmen entstehen?

Unter dem Motto „Unternehmen auf den Spuren von Startups“ führte der Referent Thomas Sindemann, Studienleiter von Infront Consulting, das medtech_shaker-Publikum am 08.10.2019 durch die besten Innovationslabore Deutschlands. Als Berater für digitale Strategien machte er es sich vor drei Jahren zur Aufgabe, herauszufinden, welche Beweggründe deutsche Unternehmen haben, so wie ein Startup zu agieren, um digitale Innovation voran zu treiben. Zusammen mit der Wirtschaftsmagazin Capital besucht er jedes Jahr in Deutschland die Innovationsstätten aus unterschiedlichen Branchen und bewertet diese. Darunter zu finden sind: Daimler, VW, Audi, Viessmann, Lufthansa, Heidelberg Druck, Merck, SAP und viele weitere. Dass bis jetzt nur größere Unternehmen eigene Innovationslabore gegründet haben, ist nicht verwunderlich: „InnoLabs überschreiten oftmals die „Peanut-Grenze“, so Sindemann, was so viel heißt wie, dass es eine echte Investition ist, Labore zu etablieren und zu bewirtschaften.

Dass es in Punkto Ausstattung aber nicht immer das Beste vom Besten sein muss, um funktional zu sein, zeigt das werk_39: „Das werk_39 zeigt, dass nicht immer alles teuer sein muss, um den Zweck zu erfüllen und gut auszusehen“. Am wichtigsten für Sindemann ist die Ernsthaftigkeit der Teams während der verschiedenen Innovationsphasen. Weiterhin sei es wichtig, die Dinge schneller auf den Punkt zu bringen und sich auf eine Sache zu fokussieren. Laut Sindemann erblicken rund 50% der Prototypen nicht das Licht der Welt, wodurch viele Chancen verloren gehen. Bei alledem muss man jedoch stets die eigenen Unternehmensstrukturen im Hinterkopf behalten, die oft weniger agil arbeiten wie von den Innovationslaboren vorgelebt. Sindemann beschreibt diese Gefahr augenzwinkernd als das „Silicon Valley Fieber“, die Vorstellung eine Idee zu entwickeln und in kürzester Zeit zu skalieren und auf den globalen Markt zu bringen. Dabei entsteht oftmals Frust in der eigenen Organisation, da Prozesse langsamer ablaufen als bei „echten Start-ups“.

Fest steht, dass den deutschen Innovationslaboren die Arbeit nicht so schnell ausgehen wird und Unternehmen sich der Herausforderung der Digitalisierung stellen müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Hier können Sie einen Zusammenschnitt des Vortrags anschauen:

Einige Impressionen des Abends:

Bilder: Kevin Kummert

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