DR. FREDERIK G. PFERDT

Innovation wird bei jedem Unternehmen, das sich in der heutigen Zeit behaupten will, groß geschrieben. Fast 1.000 Zuhörer – 970 vor Ort im Aesculap-Betriebsrestaurant in Tuttlingen und etwa 30 vor der Leinwand in Melsungen per Livestream – lauschten am 17. Juli dem Vortrag von Dr. Frederik G. Pferdt, ,Chief Innovation Evangelist‘ von Google und Adjunct Professor der Stanford University. Kurzweilig und mit Übungen fürs Publikum vermittelt er, welche Grundhaltung Mitarbeiter ermutigt, neue Wege zu beschreiten. Vorstandsvorsitzender Dr. Joachim Schulz betont in seiner Begrüßung die Bedeutung von Innovation und Veränderung für die Entwicklung von B. Braun.

Was künstliche Intelligenz und neue Formen der Zusammenarbeit hierzu beitragen können, wurde bereits in den vergangenen medtech_shakers Sessions diskutiert.

In der vierten Session ging es vielmehr um die Unternehmenskultur, in der Ideen wachsen können oder eben auch nicht. Pferdt betonte, wie wichtig es für Führungskräfte sei, erst einmal unvoreingenommen mit Ideen von Mitarbeitern umzugehen. Sein Tipp: Nicht jede Idee direkt kritisch hinterfragen und ablehnen, sondern mit „Ja, und …“ antworten und so den Freiraum für näheres Erforschen der Idee geben. Denn auch bei Google haben erfolgreiche Produkte, wie zum Beispiel Google Translate, mit einer simplen Idee angefangen und ermöglichen heute jedem, mit Internetzugang 100 Sprachen verstehen zu können.

Einladung zur Kreativität
Gleich zu Beginn holt Pferdt die Anwesenden aus der Komfortzone. Sie dürfen zu Papier und Stift greifen und – häufig schmunzelnd – in 45 Sekunden ihre Sitznachbarn zeichnen. Anschließend reichen sie ihre Werke weiter. Mut zu Kreativität ist das Motto. Was in Kinderjahren leicht von der Hand geht, nämlich kurzerhand ein Bild zu skizzieren, erfährt im Erwachsenenalter Zensur und schon versandet eine Fähigkeit. Mit Übungen wie diesen lockert der gebürtige Tuttlinger die Stimmung und holt gleichzeitig die Besucherinnen und Besucher auf eine Schiene des „Geht doch!“

Lust auf Innovation wecken
Anschaulich berichtet Pferdt Beispiele aus dem Alltag im Silicon Valley, wo Unternehmen gezielt positive Denkweise und Bereitschaft zu Veränderung üben; heißt, sie unterstützen die Mitarbeitenden, die eigene Kreativität wertzuschätzen und Bestehendes kontinuierlich zu hinterfragen. Darin wären wir schon mal besser gewesen. Schließlich würden Kinder täglich 150 Fragezeichen setzen, während Erwachsene lediglich auf durchschnittlich vier kämen.

Vom ‚ja, aber‘ zum ‚ja, und!
Vorgesetzte, die ihre Mitarbeitenden in deren Ideen und Vorschlägen bestärken, motivieren zum Nach-vorne-Denken und zum Ausprobieren. Selbst wenn etwas am Ende doch nicht funktioniert, so hätten die Beteiligten daraus gelernt und diese Erkenntnisse würden in den weiteren Prozess einfließen. Die Schere im Kopf würde sich häufig über ein ablehnendes „Ja, aber …“ ausdrücken, wohingegen ein „Ja, und …!“ die Menschen motivieren würde, ungewöhnliche Prozesse zu Ende zu denken.

„Eine gesunde Missachtung des Unmöglichen“
Wer sich eher auf Fehlersuche begibt und weniger seinen Ideen Lauf lässt, wird den Rahmen des Möglichen kaum erweitern. Dass sich im positiven Fall die Geschwindigkeit der Veränderung steigert, darf den Beteiligten auch Freude am Ausprobieren vermitteln. Pferdt führt aus, wie sich im Zuge der Digitalisierung Innovationszyklen verkürzen und Ereignisse zunehmend rascher ablaufen würden. Elementar sei der durchgängige Blick auf den Nutzer und seine Interessen. Dabei rücke die Frage nach Budgets für Forschung und Entwicklung durchaus in den Hintergrund.

Diesen Erfindergeist greift Sören Lauinger in seinen Schlussworten auf. werk_39 sei genau darin zukunftsweisend: „Google ist für uns natürlich ein echtes Vorbild, was Innovationsfähigkeit betrifft. Spannend war zu hören, wie sich das Unternehmen trotz seines Erfolgs ständig in Frage stellt.“ Die Dimensionen dieses medtech_shaker-Events legten nahe, es in Kooperation durchzuführen. Mit der Aesculap Akademie, der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und TechnologyMountains waren rasch umsetzungsstarke Partner gefunden. Die Veranstaltungsreihe medtech_shakers möchte Impulse setzen, zum Umdenken anregen und am Gewohnten rütteln.

Bilder: Matthias Wand

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